Zurück aus der Sommerfrische

408097_498730620189220_962411795_n

Dieser Blogeintrag ist unserer neuen Website und dem Spätsommer-und Herbstprogramm gewidmet. Und es kommen auch ein paar Team-Mitglieder des SUPERMARKT zu Wort! Wir freuen uns, dass wir es nach monatelanger Arbeit hinter den Kulissen endlich geschafft haben, unsere neue Website online zu bringen. Wir wollten mehr Bilder, weniger Text und eine bessere Nutzbarkeit. Außerdem war es uns wichtig, eine gute Form für die vielen Inhalte, die im SUPERMARKT entstehen, zu finden. Deswegen gibt es ab jetzt auch einen Blog, auf dem verschiedene AutorInnen regelmäßig über Veranstaltungen im SUPERMARKT schreiben werden.
Es werden in den nächsten Tagen sicherlich noch ein paar Bugs auftauchen, die wir nacheinander beheben werden. Und natürlich interessiert uns auch Eure Meinung: Gefällt Euch die Seite? Habt Ihr Anregungen und Änderungsvorschläge? Bitte schreibt uns an info [at] supermarkt-berlin.net

Wir haben uns für den Spätsommer und Herbst einiges vorgenommen: Wir sind gerade dabei, unser Angebot im Café zu erweitern und die Coworking-Zonen im SUPERMARKT besser zu definieren. Und wir planen schon bis in den Winter hinein unser neues Programm. Es wird einige spannende, aufregende Events geben, auf die wir uns jetzt schon freuen: Die Remix-Ausstellung von und mit Raban Ruddigkeit ab Ende nächster Woche wird vermutlich den gesamten SUPERMARKT auf den Kopf stellen. Bei der VISUALIZED-Konferenz Anfang Oktober werden wir uns mit Datenvisualisierung und Storytelling beschäftigen und vom 18.-20. Oktober planen wir gerade ein dreitägiges Symposium rund um Genossenschaften und neue Formen von kollektiven Unternehmungen: WORKAROUND – Self-employment, self-organisation and new notions of work. Für den November arbeiten wir gerade gemeinsam mit der Berliner Gazette an einer ebenfalls dreitägigen Veranstaltung mit dem Titel COMPLICITY.  Weiterhin haben wir spannende Kooperationen geplant mit Hackidemia, Ignite Berlin, der transmediale, Ikono TV und vielen anderen kreativen und außergewöhnlichen Menschen & Organisationen.

Aber eigentlich ist es kaum möglich, alle Pläne und Wünsche zusammenfassend auf einen Punkt zu bringen.
Außer, man fragt mal ein paar SUPERMARKT-Teammitglieder, was Ihnen besonders am Herzen liegt, welche Veranstaltungen ihnen besonders wichtig waren und was sie sich konkret für die nahe Zukunft wünschen:

Ela Kagel – SUPERMARK Initiatorin & Managing Partner
Welches Event war ganz speziell für dich? Und warum?
Für mich ist es so, dass jedes Event gleichermaßen wichtig ist. Mich interessiert das Gesamtbild unseres Programms und ich versuche, die Dinge immer aus einer übergeordneten Perspektive zu sehen: stimmt die Gewichtung bei Themen und Formaten? Haben wir ein spannendes, relevantes Programm? Gibt es genügend Möglichkeiten zum Austausch mit der Community?
Für mich persönlich ist das Freitagsfrühstück immer am Wichtigsten, weil ich dann ganz verschiedene Leute treffe, die ich sonst nicht unbedingt alle zu Gesicht bekomme. Ich habe dann Zeit, um mich auf einen Kaffee hinzusetzen und einfach mal mit den Leuten zu plaudern. Wenn ich an ein Event denke, das mir ganz besonders wichtig war, dann war das vermutlich der Abend Berlin’s Media Art Community – a Female Perspective.  Ich war sehr stolz, alle diese beeindruckenden, starken Frauen bei uns zu haben. Wir konnten uns alle als Teil dieser Szene fühlen, das hat uns viel Energie gegeben.

Was sind deine Ziele für die nächsten Monate?
Ich wünsche mir, dass der SUPERMARKT noch stärker als bisher ein Ort der vielfältigen Begegnungen wird und dass wir auch weiterhin spannende Themen und Inhalte entwickeln. Für mich ist es im nächsten Schritt wichtig, die einzelnen Arbeits-und Kommunikationszonen im SUPERMARKT genau zu definieren, damit der Raum noch besser genutzt werden kann. Und ich finde es wichtig, dass wir unsere Events viel stärker als bisher dokumentieren. Mein Traum wäre es, einen Themenpool aller Veranstaltungen aufzubauen, der dann von allen genutzt werden kann. Also, es gibt noch so viel so tun, ich weiß eigentlich gar nicht wo wir anfangen sollen ;)

Michelle O’Brien – Creative Producer
Which event was really special for you so far? And why?
The event that has been most special for me was Illuminations of Wedding, a special three-day event at SUPERMARKT celebrating urban expressionism, and the role of public art and technologically-mediated interventions for evolving communities.
Illuminations of Wedding was a unique project exploring forms of urban expressionism from the perspective of Wedding and its identity, with SUPERMARKT used as a digital canvas. Artists explored Wedding’s changing role in relation to their own artistic developments, asking questions such as how does the city and this particular neighbourhood reflect our desires and notions of identity, and how can a place like SUPERMARKT remain in balance with its surrounding communities.

What would you like to see happening at SUPERMARKT over the coming months?
As Berlin’s growth as a global creative hub continues, SUPERMARKT’s home in Wedding, a neighbourhood on the verge of socio-economic transition, has particular significance within the city’s cultural atmosphere. SUPERMARKT as a space and community hub can be viewed as a symbol of the wider social, political and economic issues at stake in Berlin. In the coming months at SUPERMARKT I hope to work on events focusing on, disecting, and in turn celebrating the important themes and issues specifically related to living and working in this unique creative city.
From different models of creative economies, to new definitions of work and livelihood, the role of art in the pulse of the city, manifestos and best practice of free and open culture, skill-sharing and life-long learning, ongoing community engagement, new forms of activism and sustainability (both cultural and environmental). I have many exciting ideas for the months ahead that I look forward to engaging with SUPERMARKT’s community on behind our glowing Brunnenstrasse facade this autumn and winter!

Katharina Meyer – project manager and programme curator
Welches Event bisher ist dir besonders in Erinnerung? Und warum?
Für mich war der Workshop von Pinar Yoldas inspirierend und ansprechend auf ganz unterschiedlichen Ebenen, selbst wenn ich nur bruchstückhafte Einblicke hatte. “Artistic Research” ist meiner Meinung nach eine sehr zeitgenössische und probabler Zugang zur Weltaneignung und Wissensproduktion, der Widersprüche zulässt. Pinar Yoldas hat sich den Folgen der “world in plastic, it´s fantastic” von zwei Seiten genährt: Sie sieht die Plastikwolke im Pazifik einerseits als evolutionäre Ursuppe, auf der sich neue Bakterienstämme bilden, andererseits auch als Todbringer, wenn der Plastikmüll Seevögel verenden lässt. Ich glaube es gibt noch viele Themen, Felder und Themenfelder, denen man sich über diese Methode annähern könnte. Zudem finde ich die Schnittmenge zu BottomUp/Digitaler Kultur hervorragend.Selbst als Nichtwissenschaftler bekommt man über die ästhetischen Anteile der künstlerischen Forschung Zugang zu hochkomplexen Fragestellungen und (Welt-)Problemen. Da mein Herz auch ansonsten sehr für die Kunst schlägt, bitte noch mehr Projekte und Events unter Beteiligung aller Sinne.

Was wünschst du dir für die kommenden Monate im SUPERMARKT?
Ich freue mich besonders, dass wir im Supermarkt als “Marktplatz für Ideen und kreativen Austausch” mit mehreren Konferenzen in diesem und nächstem Jahr dem Claim alle Ehre machen. Schon die Vorbereitungstreffen waren sehr produktiv und es wird spannend, die Manifestation der Ideen und Diskussionen mitzuverfolgen.

Fritzi Fink – Bar Manager
Welches Event bisher ist dir besonders in Erinnerung? Und warum?
Events, die mir gefallen haben: Es gab vor ein paar Monaten ein Event mit dem Titel  Berlin’s Media Art Community: A Female Perspective. Da ging es um Frauen, die das Bild von Berlin als Stadt der Neuen Medien entscheidend mit geprägt haben. Einige haben ihre Arbeiten vorgestellt und die Podiumsdiskussion im Anschluss war interessant. Mir haben auch die drei Wochen Sommerschule mit Transart gefallen, da in dieser Zeit der Raum ganz vielfältig genutzt wurde.

Was wünschst du dir für die kommenden Monate im SUPERMARKT?
Ich bin gespannt, wie die Austellung am 31.8. ( RAMIX) wird.

Gretchen Blegen – artist, workshop teacher and SUPERMARKT coffee bar lady
Which event was really special for you so far? And why?
I suppose a memorable event for me in SUPERMARKT will always be AADKmigrationen in March of 2012.
It was the first time I had done a site-specific sound installation with the collective AADK and also the first time I was introduced to SUPERMARKT. In this sense, it was not only tied to the experience of building a work in a new environment, but also working in a space in a seemingly untouched area (Brunnenstrasse/Wedding).

What would you like to see happening at SUPERMARKT over the coming months?
I would like to see more panel discussions based around the role and necessity of art/culture in this specific area of Berlin. It would be nice to see more events like the Berlin’s Media Art Community: A Female Perspective where there was an exchange between story and practice, theory and approach, and between audience and lecturer. This idea of collaborative discussion is a fruitful experience for me.

Jurriaan Pots – project assistance and documentation intern
Which event was really special for you so far? And why?
I really liked the first ever event I attended at SUPERMARKT: the Freitagsfrühstuck with the South Sudanese student and film maker Lagu Stephen Samuel. I was very impressed by his creavitity and inventivity. Lagu is producing educational films (about health, safety, employment etc.) in a country with hardly any media infrastructure.

What would you like to see happening at SUPERMARKT over the coming months?
I enjoy events where you both learn and create something. The workshop of Pinar Yoldas is a good example:  Pinar first gave a great lecture about artistic research and biology. Afterwards we each made a prototype / proposal for an artwork that could resolve our personal biological annoyances. I would be looking forward to more workshops of this kind.

Unser Beitrag für den Newthinking Magsprint

newthinking_open

Zur re:publica 13 bekamen alle BesucherInnen ein Exemplar des Newthinking Magazins in die Hand gedrückt, das Anfang April 2013, also einen Monat vor der re:publica, bei uns im SUPERMARKT im Rahmen eines dreitägigen Magazinsprints entstanden ist. Wir haben auch einen Artikel darin verfasst.

Hier ist der Text im Wortlaut:

Räume für Offene Kultur & Open Source Strategien

Auch wenn viele neue Produktionsmethoden und Kommunikationsstrategien aus der Netzkultur kommen und folglich auch dezentral und nicht-ortsgebunden funktionieren, braucht es eine physische Verortung der Themen und ihrer Akteure. In Berlin entstehen derzeit viele gemeinschaftlich genutzten Räume, in denen Open Source Strategien praktisch erprobt werden: Coworking-Studios, Fablabs, freie Projekträume, Hackerspaces und vieles mehr. Der SUPERMARKT ist einer dieser Orte und funktioniert als Mischung aus Coworking-Space, Community-Café und Eventlocation. Der Schwerpunkt unserer inhaltlichen Arbeit liegt auf Themen der digitalen Kultur. Wir bieten ein regelmäßiges Programm, angefangen von DIY-Masterclasses rund um mediale Produktion bis hin zu Konferenzen und Hackathons. Der SUPERMARKT versteht sich als ein offener Ort. Ganz zu Beginn haben wir uns den Arbeitstitel “Free Culture Department Store” gegeben, diesen aber bald wieder verworfen, weil kaum jemand verstanden hat was “Free Culture” eigentlich sein soll und warum um Himmels Willen man einen Ort für sowas braucht. Und die Anspielung in Richtung “Kaufhaus” erschien uns dann auch vermessen, weil wir keine belastbare Antwort auf die Frage hatten wie man freie Kultur flächendeckend verkauft bekommt.
Seitdem lassen wir das mit den Labels und schauen erst mal wie sich der Raum durch die Nutzung der Community verändert und welche Identität er dadurch bekommt.
Ein offener Raum – das klingt erst einmal einfach. In der täglichen Praxis dann wird deutlich, was sich hinter dem Anspruch verbirgt:

  • Offen, im Sinne von “zugänglich”: Uns war es von Anfang an wichtig, dass der SUPERMARKT an allen Werktagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet ist, sozusagen als eine verlässliche Größe für alle, die vorbeikommen wollen. Das bedeutet dann vor allem auch, Leute zu finden, die zu diesen Zeiten auch wirklich da sind und den Ort bespielen – das Caféteam, die KollegInnen aus Technik und Organisation und alle diejenigen, die als Schnittstelle nach draußen auftreten. Allein dies ist ein gewisser Aufwand an Organisation und Ressourcen.
  • Offen, im Sinne von “offen für alle”: In gewisser Weise ist der SUPERMARKT ein öffentlicher Ort. Jede(r) kann hereinkommen, hier arbeiten und am inhaltlichen Angebot teilnehmen. Diese Form der Teilhabe muss jedoch auch moderiert werden, sonst kommt es nicht wirklich zu einem Austausch. Allein die Tatsache, dass verschiedene Menschen in einem Raum versammelt sind, bringt noch keine Kollaboration hervor. Hier geht es vor allem um das Angebot von kommunikativen Formaten, bei denen sich Menschen aus den verschiedensten Interessensgebieten beteiligen können. Im besten Fall entsteht dann das, was man heute oft als “Serendipity” bezeichnet – ein glücklicher Zufall, der Begegnungen begünstigt, die anderweitig nicht hätten stattfinden können. Aus diesen Begegnungen kann dann alles mögliche entstehen: eine Zusammenarbeit, eine Freundschaft oder auch ein Magazin, wie in diesem konkreten Fall. Das ist ja auch der eigentliche Mehrwert eines gemeinschaftlich genutzten Raumes: das soziale Kapital, die persönlichen Ressourcen und das neue Wissen, das aus den verschiedenen Einflüssen entsteht.
  • Offen, im Sinne von “nicht-hierarchisch”: Hier geht es darum, Vielfalt zuzulassen und das eigene Kontrollbedürfnis geschickt zu umgehen. Der Verzicht auf Hierarchien bedeutet keineswegs den Verzicht auf Moderation und Führung, aber es gibt keine fest zementierten Verhältnisse, die qua Rolle festgelegt werden. Stattdessen orientiert sich der Gruppenstatus von TeilnehmerInnen ausschließlich an ihrer Nützlichkeit für eine bestimmte Aufgabe. Da sich diese ständig verändert, gibt es auch eine starke soziale Dynamik. War man gestern noch Genie, ist man heute möglicherweise nur Randfigur. Das muss man auch erst einmal aushalten können.
  • Offen, im Sinne von “transparent”: Das ist eigentlich die größte Herausforderung – Wissen so aufzubereiten, dass verschiedene Zielgruppen einen Zugang dazu finden können. Sich nicht ausschließlich auf eine bestimmte Szene fokussieren, aber dennoch ein scharfes Profil haben. Themen mit Anspruch zu verhandeln, ohne sich auf bestimmte “Hoheitsgebiete” zurückzuziehen. Meinungen und Standpunkte klar zu formulieren, aber auch durchlässig sein für Diskussionen und Verhandlungen. Und, ganz wichtig: Das gemeinschaftlich erworbene Wissen auch wiederum allen zur Verfügung stellen, nicht auf eigene Faust damit hausieren gehen und die Community-Effekte unter Ausschluss der Beteiligten kapitalisieren

Es ist ja nicht so, dass wir alle so viel Erfahrungen in der Entwicklung und Erhaltung dieser Arbeitsformen hätten. Wir bewegen uns jeden Tag vorwärts, probieren aus und lernen dazu. Manchmal kriegt das Ganze eine eigene Dynamik und man wird mitgetragen von einem positiven Flow. Plötzlich scheint sich alles wie von selbst zu bewegen. Dann gibt es wiederum Momente, wo es ganz mühsam und zäh wird, wo man sich an Definitionen und Wortklaubereien aufreibt und der Wunsch nach den guten alten Hierarchien hochkommt. So nach dem Motto: Irgendjemand muss doch jetzt bitte wissen, wie es weitergeht. Etwa, wenn ein Workshop ins Leere läuft oder ein Projekt dann doch nicht die Strahlkraft bekommt, die man sich eigentlich erhofft hat.
Fazit: Offene Produktionsräume sind in erster Linie dynamisch (vorausgesetzt, sie funktionieren gut). Das mach sie auch so schwer beschreibbar und quantifizierbar. Die Innovation, die aus diesen Orten hervorgeht, kann nicht unbedingt in konsumgerechten Häppchen von Wirtschaft und Gesellschaft aufgenommen und durch die übliche Verwertungsmaschine gedreht werden.
Im Gegenteil: Wer eine breite Öffentlichkeit für offene, kollaborative Strukturen begeistern will, muss eine gewaltige Übersetzungsleistung vollbringen. Und in den Genuß der Inspiration kommt schließlich nur, wer aktiv mit dabei ist. Diejenigen aber, die sich ohne Angst vor offenen Ergebnissen ins Geschehen stürzen, erhöhen definitiv die Chancen auf den berühmten “glücklichen Zufall” oder die Begegnung, die alles verändert. “Chance favours the prepared mind” – wer kollaborative Räume mit gestaltet und offene Strukturen erprobt, gibt dem Zufall einen Schubs.