TACIT FUTURES: Japan after Japan – film screening & discussion

Event
TACIT FUTURES: Japan after Japan – film screening & discussion
Beginn
19. März 2016 17:00
Ende
19. März 2016 19:30
Sprache:
Deutsch
Cost
free
Veranstalter
Berliner Gazette, SUPERMARKT

Adresse

Supermarkt
Phone
(+49) 30-609 875 905
Address
Supermarkt, Mehringplatz 9, 10969 Berlin
Aktualisiert:
18.Februar 2016

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TACIT FUTURES: Japan after Japan – film screening & discussion

“TACIT FUTURES: Japan after Japan” präsentiert “Tell the Prime Minister” von Eiji Oguma als Ausgangspunkt für Diskussionen über die gemeinsame Zukunft und die Zukunft als Gemeingut (Commons). “Tell the Prime Minister” ist ein Film über soziale Bewegungen, die vor fünf Jahren nach der Fukushima-Katastrophe in Japan entstanden sind. Der Film ist das Zeugnis einer beispiellosen Bewegung, die historisch reflektiert und als fortschreitendes Ereignis gezeigt wird. Der Film besteht aus unzähligen Amateur-Videobeiträgen, überwiegend You-Tube-Clips, die Oguma im Rahmen einer umfassenden Kollaboration zur Verfügung gestellt wurden. Dieses hybride Material erlaubt es, die Menschen und Aktionen dieser Bewegung in authentischen Bildern zu portraitieren. Das macht den Film zu einem cineastischen Experiment, welches letzendlich auch ein Spiegel der sozialen Experimente ist, die in Japan heute sichtbar werden.

Nach 200 Jahren ungezügelten Wachstums und fortschreitender Beschleunigung scheint Japan, wie auch andere Industrienationen, einen Endpunkt erreicht zu haben. Nachdem wir stets mit einem Bein in den technokratischen Visionen der Zukunft gelebt haben, stoßen wir nun zusehends auf Schranken – auch in unserer eigenen Fähigkeit, diese Schranken immer weiter zu verschieben. Der sogenannte “Peak Everything” (Heinberg) meint den Endpunkt, an dem unsere natürlichen Ressourcen zur Neige gehen und unsere Fähigkeit, komplexe Technologien zu kontrollieren, zusehends abnehmen werden. Manche benutzen hierfür auch den Begriff “after future”, den Berrardi geprägt hat. In anderen Worten: 200 Jahre nach der “futuristischen Wende” (Sloterdijk) erreicht nahezu alles, was im Namen des Fortschritts begonnen hat, einen ideologischen bzw. operativen Stillstand.

Japan zum Beispiel hat seit den 1980er Jahren wie kein anderes Land auf der Welt die Zukunft repräsentiert. Heute ist Japan schwer belastet von alldem, was einst seinen Zukunfts-Appeal ausmachte: Toxischer Abfall, nationale Schulden sowie ideologische Krisen. An dieser Wegbiegung stehen wir vor einer Entscheidung: beginnt die Zukunft nochmal von vorn, nachdem die Belastungen (auf)gelöst worden sind? Ist das überhaupt vorstellbar? Oder beginnt die Zukunft nicht vielmehr in dem Hier und Heute, das wir gerade durchleben? Weil wir eben nur in der Gegenwart in der Lage sind, eine andere Zukunft zu imaginieren?

Die wichtigste Erkenntnis nach Fukushima ist, so Eiji Oguma, dass es unmöglich sei, wieder in die 1980er Jahre zurückzukehren. Natürlich sind solche Aussagen nicht leicht zu akzeptieren und rufen wohl auch Widerstände hervor. Wenn man dies jedoch aus einer globalen Perspektive betrachtet, fallen zwei Dinge auf: Eine neue Geschichte der Zukunft kann nicht top-down entwickelt werden. Nicht noch einmal. Eine Neuausrichtung muss aus der Tiefe der Gesellschaft kommen. Und zweitens: Wir sollten nicht unseren Glauben an die Zukunft aufgeben, nur weil wir von ihr verlassen wurden, wie Berrardi sagt. Wir sollten nicht auf die große Aufräumaktion warten, die das Chaos der bisherigen Zukunftsversuche geordnet haben wird. Dafür ist die Zukunft als politisches Vehikel viel zu kostbar. Somit schlägt das Berliner Gazette-Jahresthema TACIT FUTURES folgendes vor: Wir sollten uns nicht an einem Punkt irgendwo “nach der Zukunft” sehnen, sondern den kritischen Wendepunkt, an dem neue Zukünfte produziert werden, aktiv gestalten.

Nach der Vorführung von “Tell the Prime Minister” laden die Veranstalter zu einem Talk mit Eiji Oguma ein. Er gilt als einer der wichtigsten sozialen Denker und Sozialhistoriker Japans. Als Professor der Historischen Soziologie an der Keio University in Tokyo steht er den sozialen Bewegungen Japans sehr nahe und ist Autor diverser Bücher,, unter anderem “Democracy and patriots: Postwar Japanese Nationalism and the Public” (2004),  “A Genealogy of Self-images of ‘Japanese’” (2002) und “The Boundaries of ‘Japanese’” (2014). “Tell the Prime Minister” ist sein erster Film.

Dieses Projekt ist eine Kooperation zwischen Berliner Gazette,  SUPERMARKT, und Takemura Juku im Kontext von “Tacit Futures”, dem Jahresthema der Berliner Gazette.

Das TACIT FUTURES-Projekt wurde bei dem transmediale Festival im Haus der Kulturen der Welt gelauncht. Seitdem arbeitet die Berliner Gazette an einem Themenschwerpunkt innerhalb der Internetzeitung. Rund 40 Berichte, Essays und Interviews werden dort im Laufe des Jahres erscheinen. Parallel dazu wird die Berliner Gazette Meet Ups organisieren, die als Kooperations- und Dialogplattformen des Projekts dienen sollen. Zusätzlich plant die Berliner Gazette die Durchführung einiger Partnerveranstaltungen. Das TACIT FUTURES-Projekt erreicht seinen Höhepunkt anlässlich der internationalen Konferenz der Berliner Gazette, die 27.-29.10.2016 in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin stattfinden wird.

Weiterführende Links:

DE:
http://berlinergazette.de/wiedergeburt-der-zukunft-in-japan/

EN:
https://www.opendemocracy.net/eiji-oguma-krystian-woznicki/japan-after-japan


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