Workshop: Blinde Fotografie

Event
Workshop: Blinde Fotografie
Beginn
14. September 2013 11:00
Ende
14. September 2013 16:00
Sprache:
Deutsch, English
Cost
Eintritt frei

Adresse

Studio 1
Phone
(+49)30-609 875 905
Address
Studio 1, Brunnenstrasse 69, 13355 Berlin
Kategorie:
Aktualisiert:
16.August 2013

Rosita_Workshop

Workshop: Blinde Fotografie

Mit der zunehmenden Verfügbarkeit & Zugang zu digitaler Fotografie in den vergangenen zehn Jahren hat sich Blinde Fotografie zu einer beliebten Kunstform unter sehbehinderten Menschen entwickelt. Blinde Fotografie ermöglicht es sehbehinderten Künstlern, mithilfe ihrer anderen Sinne, ihrem Gedächtnis und gelegentlich visuellen Dolmetschern oder technische Assistenten, mit der sehenden Welt in Kontakt zu treten. Ihrem Wesen nach hinterfragt sie gleichzeitig tief verwurzelte Ansichten über Sehbehinderung und die traditionelle fotografische Praxis. Trotz der irrigen Meinung, dass Menschen ohne Sehkraft nicht an der bildenden Kunst teilnehmen können, unterstützt die digitale Fotografie die Entwicklung künstlerischer Fähigkeiten & Kenntnisse. Sie nutzt digitale Plattformen um zu kommunizieren, kreativ zu sein und um die physischen Grenzen des Körpers zu überschreiten.

Im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit dem Titel „Common Bond“ („Gemeinsame Verbindung“), bieten die blinden Fotografen Jan Bölsche (Berlin) und Rosita McKenzie (Edinburgh) einen kostenlosen 5-stündigen Fotoworkshop an, in welchem sie ihre einzigartigen fotografischen Techniken und Fähigkeiten unterrichten werden. Der Workshop ist geeignet für Anfänger bis hin zu Profis und Menschen aller Fähigkeiten und Begabungen. Nicht-sehende Teilnehmer werden lernen, eine Kamera-Ausrüstung zu verwenden, Bilder anzusehen, auszuwählen, und zu bearbeiten. Sehende Teilnehmer werden alternative Ansätze zur Bilderstellung, sowohl konzeptionell als auch praktisch, entdecken.

Wenn Sie eine Digitalkamera jeglicher Art besitzen (einschließlich iPads oder Handys) bringen Sie diese bitte mit. Wir habe eine kleine Anzahl Kameras – bitte lassen Sie uns im Voraus wissen falls Sie eine Kamera benötigen!

Die Teilnahme am Workshop ist KOSTENLOS, die Plätze sind allerdings begrenzt. Bitte e-mailen Sie kate@contemporaryartexchange.org, um Ihren Platz zu reservieren.

Dieser Workshop wird simultan-übersetzt in Deutsch und Englisch.

Mehr über die Künstler:

Rosita McKenzie ist eine blinde Fotografin aus Edinburgh, Großbritannien. Als Autodidaktin ist sie in Schottland zu einer der führenden Figuren in dieser Nischendisziplin, als auch in ihrer Rolle als geachtete Beraterin für Behinderung und Gleichheitsfragen und Kunstvermittlerin geworden. Rosita hat in Einzel-und Gruppenausstellungen in ganz Schottland ausgestellt, z.B. als Teil des Edinburgh Art Festivals 2010 und 2012. Sie hat Aufträge von Galerien wie Inverleith House in Edinburgh erhalten und war 2009 nach Kalifornien eingeladen, um an der weltweit-tourenden Ausstellung “Sight Unseen” des UCR California Museum of Photography mitzuwirken, welche derzeit im Sejong Center in Seoul zu sehen ist. Im Mittelpunkt ihrer Praxis stehen die Beziehung zu ihrem unmittelbaren Umfeld, dem fotografischen Subjekt und insbesondere wie ihre Erfahrung eines Augenblicks erfasst werden kann. “Für mich ist es eine persönliche Erfahrung: Durch den Einsatz der Fotografie als ein Mittel zur Kommunikation, zum Verstehen und Erinnern, kann ich Momente als lebendige und kraftvolle Erinnerungen bewahren. Es geht nicht nur um die Schaffung bildender Kunst, sondern auch um den Prozess der kreativen Zusammenarbeit mit anderen, um ein Bild vor, während und nach der Aufnahme zu interpretieren. ”

Jan Bölsche arbeitet als Fotograf und Autor in Berlin. Seine Fotos wurden in Zeitungen, Zeitschriften, Reiseführern, Katalogen und auf Websites und CD-Covers veröffentlicht. Er spezialisiert sich auf die Erfassung des „entscheidenden Moments“. Jan ist Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Zentralen Intelligenz Agentur (ZIA), einer unabhängigen Design-Agentur und Think Tanks in Berlin, und bietet professionelle Fotografiedienstleistungen für Ereignisse wie die kürzliche veranstaltete Konferenz K2 in Berlin mit dem Titel “Eine Dialogveranstaltung der Kulturverwaltung des Berliner Senats “. Bedingt durch einen Gendefekt begannen die Zellen in Jan Bölsches Netzhaut in seiner frühen Jugend langsam zu verblassen. In diesem fortschreitenden Prozess wächst ein verschwommer, nebelartiger Fleck in der Mitte seines Blickfeld und überdeckt Gegenstände, die er versucht zu fokussieren. Diese Erkrankung wird “Morbus Stargardt” oder Juvenile Makuladegeneration (JMD) genannt. Da die Photorezeptoren für die verschiedenen Grundfarben nicht gleichmäßig betroffen sind, ist sein Farbempfinden gänzlich verschieden zu dem Anderer. Aufgrund des Fehlens hochauflösender Bildinformationen konzentriert sich Jans visueller Hirnrinde mehr auf das „große Ganze“, d.h. die grobe Anordnung statt auf feine Details. In seinen Worten: “Meine Augen funktionieren eher wie eine Filmkamera aus den 1930er Jahren, als wie meine digitale Spiegelreflexkamera. Manchmal bin ich wirklich überrascht durch das, was es festhält.”

Common Bond

Jan und Rosita arbeiten für „Common Bond“ mit der Kuratorin und Kunstvermittlerin Kate Martin von Contemporary Art Exchange zusammen. Das Projekt fördert Peer-to-Peer-Mentoring zwischen den Künstlern, innerhalb welcher sie Kenntnisse und Fähigkeiten innerhalb ihres Fachgebietes der Blinden Fotografie austauschen können. Es unterstützt die Entwicklung neuer Werke, welche die gemeinsamen Verbindung zwischen britischer und deutscher Kultur erkundet. Weitere Informationen finden Sie auf http://contemporaryartexchange.org/portfolio/common-bond/

Rosita McKenzie ist vom British Council und Creative Scotland gefördert.
Foto: Rosita McKenzie, Herbairum Cabinets, 2007-2009


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